über 100 Jahre Waldlust

– das Buch von Karl Heinz Klostermann –

Im Jahr 2005 hat unser damaliger Ehrenpräsident die Geschichte des Sportplatzes Waldlust recherchiert und in einem Buch aufgearbeitet. Hier entsteht die digitale Fassung des Buches.

Karlheinz Klostermann

Die Waldlust

 

 

Spiel - und Sportplatz Waldlust (Postkartenmotiv, historisch)

Spiel - und Sportplatz Waldlust (historisch)

voll das digitale Plagiat des Buches

über 100 Jahre Sportplatz Waldlust

Herausgeber: Roter Stern Wehringhausen e.V.
Autor: Karlheinz Klostermann
Auflage: 350 Stück
Erscheinungsjahr: 2005.
Druck: Stadt Hagen.
Der Verkaufserlös soll in die Unterhaltung
des Waldlustsportplatzes fließen.

Text- und Bild-Quellen,
mit freundlicher Genehmigung:
Akten zur Anlegung des Sportplatzes Waldlust,
Stadtarchiv;
transkribiert durch Karlheinz Klostermann.
Bericht „Sportunion von 1910“ ,
Hrsg. Hagener Heimatbund e.V.
Bild: Kaufmannschule, Edith Falkenroth.
Bild: Lehrlingsheim, mit Zeitungsbericht in der
Westfälischen Rundschau (11.03.2000), Werner Zühlke.
Jubiläumsschrift: 75 Jahre Handball-Faszination
in grün-gelb; Hrsg. VfL Eintracht Hagen.
Bilder und Zeitungsbericht: Privatarchiv,
unterstützt und genehmigt von Walter Effey.
Festschrift: 100 Jahre TUS 03 Hagen, Abdruck mit
freundlicher Genehmigung von Werner Fricke.

 

 

Karlheinz Klostermann

Die Waldlust



Über hundert Jahre Sportplatz „Waldlust“

 

Hagen · 2005

 

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Der Steinbruch 10 Jahre vor dem Sportplatz Waldlust

Steinbruch 1888

Der um neunzehnhundert in einem Steinbruch im Goldberg geschaffene Spiel – und Sportplatz Waldlust ist heute, nach über hundert Jahren ein historisches Denkmal der Spiel – und Sportgeschichte der Stadt Hagen im Ortsteil Wehringhausen. 2003 hatte der Präsident des 1993 gegründeten Sportvereins Roter Stern Wehringhausen, Uli Schäfer die Idee, eine historische Aufarbeitung dieser Zeit zu zeichnen. Gesagt – getan.
Das Hagener Museum für Zeitgeschichte war das erste Zeil zur Erkundung von Unterlagen. Eine Sammlung von Aufzeichnungen war schon ein ergiebiger Grundstück für diese interessante Aufgabe.
Bis Anfang der dreissiger Jahre waren die Schriftstücke nur in Sütterlin, der damaligen Schriftart, vorhanden. Diese Dokumente wurden in die heutige Schrift übertragen. Damit war der Grundstück dieser historischen Aufgabe vollendet.
Für die weitere Aufarbeitung wurden die Annalen zum hundertjährigen Bestehen der Kaufmannsschule, die Festzeitschriften von VFL Eintracht Hagen von 1963 e.V. und DJK TUS 03 Hagen e.V. herangezogen.
Die Sportunion 1910hatte ihre Geschichte auf der Waldlust von Willi Voß niederlegen lassen. Ein guter Berater bei der Suche nach interessanten Begebenheiten in den beschriebenen Jubiläumsbänden der Vereine war Walter Effey, der beim Erstellen dieser Schriften federführend war. Dieser Sportler gilt auch heute noch als Kenner der Feldhandballszene seit Mitte der drekßiger Jahre und wurde als einer der besten deutschen Feldhandballer seiner Zeit bekannt.
Werner Zühlke, einer der ersten Lehrlinge im Lehrlingsheim auf der Waldlust trug auch mit einen Unterlagen zur Erstellung dieser historischen Arbeit bei.
Ein Originalfoto von Frau Edith Falkenroth, die als Schülerin der Kaufmannsschule auf der Waldlust Ende der fünfziger Jahre mit ihren Klassenkameradinnen die Schulbänke drückte, gab der Historie einen wichtigen Beitrag.
Allen die mit Rat und Tat mitgewirkt haben, sei hiermit herzlicher Dank gesagt.

Karl Heinz Klostermann

Sportplatz „Waldlust“ mehr als 100 Jahre alt

Schon in der Zeit, als die Freizeit der Menschen begrenzt war, nutzten sie diese mit Spielen und Turnen. In den damals größeren Lokalen mit ihren Sälen wurde geturnt.
Diese Geststätten waren auch Ausflugslokale mit einem Biergarten und einer Spielwiese. Dort trafen sich die jungen Leute, um bei Spiel und Sport ihre Freizeit sinnnvoll zu gestalten. Auch die damals wenig befahrenen Wege und Strassen eigneten sich für Spiele wie Schlagball, die längere Felder benötigten.
Da gab es keinen Ort, kein Dorf und keine Gemeinde, in dem die Gemeinsamkeit nicht so gestaltet wurde.

Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) gilt als Begründer des deutschen Turnens. Mit der Eröffnung des ersten Turnplatzes 1811 in der Hasenheide zu Berlin, begann die Epoche des deutschen Turnens. Jahns großes Engagement für die Ideale des Sports brachten ihm den Ehrennamen „Turnvater Jahn“ ein. Es sollte aber noch lange dauern, bis um die Jahrhundertwende, dass die Gemeinden einen Spielplatz anlegen konnten. So gab es auch nur wenige organisierte Gruppen, sprich Vereine.
Wettkämpfe wurden kurzfristig untereinander abgesprochen und durchgeführt. Immer mehr Menschen schlossen sich am Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen, um Vereine zu gründen. So waren es auch Hagener Bürger im Raum Wehringhausen, die in ihrem Stadtteil einen Spiel und Sportplatz wünschten. Hier bot sich ein Gelände, der „Steinbruch“ im Goldberg an. Oberhalb der Gaststätte „Waldlust“ war dieser Steinbruch schon 1888 in einem Stadtplan von dem späteren Stadtarchivar Karl Voss dokumentiert, zu erkennen.
Zehn Jahre danach im Jahr 1898 stellten Bürger einen Antrag an die Stadt Hagen, auf diesem Gelände ein Spielfeld zu errichten. Die Stadt Hagen kam diesem Wunsch gehegten Wunsch entgegen.

Am 10. Oktober 1898 fand die erste Verhandlung der Waldkommission zur Errichtung eines Spielplatzes am Steinbruch bei der Waldlust statt. An dieser Sitzung nahmer der Herr Oberbürgermeister Prenzel, Herr August Bisterfeld, Herr Friedrich Wilhelm Post und Commerzierath Schwemann teil.
Im Protokoll heisst es:

In der heutigen Sitzung der Waldkommission waren auf Vorschriftsmäßige Einladung die hier neben gezeichneten Herren erschienen. Es wurde verhandelt wie folgt:
Errichtung eines Sportplatzes am Steinbruch bei der Waldlust. Es wurde beschlossen zu erörtern, ob am Steinbruch bei der Waldlust ein Spielplatz errichtet werden kann.
Vermerk an Herrn Stadtbaumeister Lamprecht: Mit dem Ersuchen um Äußerung, mit welchen Kosten die Sache zweckmäßig ausführbar erscheint. Mit beiliegendem Kostenvoranschlag erledigt. Hagen d. 16.1.1899  Lehmacher

Diese Kostenaufstellung bezifferte sich auf 7200 Mark. Die Genehmigung wurde am 20.12.1898 ausgesetzt. Zunächst wurde die Vornahme einer Ortsbesichtigung beschlossen.
Es wird eine Kommission eingesetzt zur Besichtigung der Waldlust, die auf den 16.02.1899 um 15.00 Uhr am Lokal Waldlust terminiert wird. Weiterhin wird beschlossen, weitere kostengünstigere Grundstücke zu besichtigen. Am 15.05.1899 um 13.00 Uhr fuhr man von Hagen nach Elberfeld, um das Spielfeld am Toelleturm zu besichtigen. Nach der Bereisung durch die Waldkommission wurde dieses Gelände als Vorbild für die „Waldlust“ angesehen.

Es wird ein neuer Kostenvoranschlag mit der Summe von 10.000 Mark erstellt. Falls sich die loszubrechenden Felsmassen zu Pflastersteinen und sonstigen Straßenbaumassnahmen eignen, reduziert sich die dieser Betrag um 50%. Die Kommission erklärt sich am 14.05.1899 einverstanden, dass der Wehringhauser Bach entlang des geplanten Spielplatzes kanalisiert wird.
Die entstandenen Baukosten werden vorschussweise gebucht. Sie sollen durch den Verkauf der bei der Anlegung des Spielplatzes gewonenen Packlage und Chausseesteinen zur Voreinnahme gelangen. Der Stadtbaumeister teilte mit, dass sich Frau Wittmann in entgegenkommender Weise zur unentgeldlichen Überlassung der für die Herstellung des Spielplatzes noch benötigten Abschlusses verpflichtet habe.

Anfrage der Accumulatoren Aktiengesellschaft

Für ihre Besitzung Flur Nr. 81 als Schenkung bedankte sich die Stadt Hagen in würdiger Weise. Am 10. Juli 1899 beschließt die Versammlung die Anlegung eines Spielfeldes und stellt die erforderlichen Mittel von 2500-3000 Mark bereit. Eine weitere Kostenaufstellung befasst sich mit dem Fällen von Eichen unter der Waldlust. In einer Notiz vom 11.08.1899 heißt es: Mit der erforderlichen Kanalisation soll in sechs Wochen begonnen werden. Am 24.Juni 1901 fand eine vertrauliche Beratung zur Bewilligung von 3000 Mark für die Beschäftigung Arbeitsloser statt. Der Bewilligung für diesen Betrag, welcher ohnehin hätte für diese Arbeiten bezahlt
werden müssen, wurde entsprochen. Die Arbeiten sind am 16.12.1901 abgeschlossen.
Mit Datum vom 19.12.1901 wird eine Eisbahn auf dem Spielfeld gewünscht. Hier kann man annehmen, dass das Spielfeld errichtet war. Weitere Unterlagen sind Anträge zur Benutzung des Spielfeldes für ein Turnier und die Spielfeldordnung. Ein weiteres Indiz für die Fertigstellung des Spielfeldes. Am 29.05.1902 stellt die Accumulatorenfabrik – Aktiengesellschaft einen Antrag mit folgendem Wortlaut:
„Wir erlauben uns, die ergebene Anfrage an Sie zu richten, ob es gestattet ist, dass unsere aus 40 jüngeren Beamten, Arbeitern und Lehrlingen bestehende Fabrik- Turn- Abteilung des Sonntags in den Frühstunden von 6 bis 8 Uhr auf dem Spielplatz in der Waldlust Turnspiele betreibt.“ Die Rückseite des Antrages stellt die Genehmigung zum 15.06.1902 fest. Nach Fertigstellung des Waldlustplatzes nahm Tennis bereits eine hervorragende Stellung ein. Am 19.03.1903, so ist aus einem Sitzungsprotokoll zu entnehmen, dass eine Wasserzuleitung vom Wehringhauser Bach zum Spielplatz Waldlust beantragt und zum 26.09.1903 genehmigt wurde. Ein Antrag vom
02.12.1903 besagt:

„In einer Bude auf dem Jugendspielplatz der Waldlust, sind Turngeräte des Allgemeinen
Turnvereins vorhanden. Diese sollen entfernt werden, da sie bei Frost anderweitig genutzt werden müssen.“

Skizze Flutlicht

Anmerkung zum Bild oben:
Der Weg von der Idee bis zur Realisierung des Projektes Flutlicht war es ein beschwerlicher Weg. Unser Ehrenpräsident Karl  Heinz Klostermann hat alles gegeben, damit die Flutlichtanlage Wirklichkeit wird. Besuch in den Sitzungen des Sportausschusses, Gespräche mit Verwaltung und Politik, und eben diese Skizze, die Aufschluss darüber gibt, was man bei der Verlegung der Leitungen beachten muss.
Im Fundament des Flutlichtmasten vorne Links auf dem Platz ist aus Dankbarkeit und Stolz der Name von Karl Heinz Klostermann eingraviert.

Herr Direktor Vormann i.V., bittet den Herrn 1. Bürgermeister am 02.06.1906, da nach Pfingsten wieder mit Turnspielen
bei der gewerblichen Fortbildungsschule begonnen werden soll, dass die Spielgeräte aus dem Schutzhäuschen auf dem
Waldlustsportplatz, der Schule wieder zur Verfügung gestellt werden.
Der Sport in Wehringhausen bestand zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts neben dem Turnen und Mannschaftsballspielen
z.B. aus Völkerball, Prellball und Schlagball. Der 1898 geplante Sportplatz im Steinbruch hinter der Gaststätte Waldlust war im Dezember 1901 soweit fertiggestellt, dass diese einfachen Sportspiele dort bereits stattfinden konnten.In den Unterlagen des Heimatmuseums
steht geschrieben, dass ein Spielfeld dem Tennisspiel vorbehalten war. Der Wehringhauser Bach wurde im Winter dazu genutzt, die Spielfläche unter Wasser zu setzen. Die Wehringhauser Bürger konnten dann auf der vereisten Fläche Schlittschuh laufen.
In der Festschrift 100 Jahre, 1903-2003 des DJK TuS 03 Hagen e.V. beschreibt man den Mangel an geeigneten Sportplätzen
in Wehringhausen, da Fussball und Leichtathletik immer populärer wurden. Einen Fortschritt bedeutete ein erster Wehringhauser Sportplatzausbau gegen 1905 im Hagener Stadtwald, oberhalb des Ausflugslokals „Waldlust“ nahe dem Weg zum Forsthaus Deerth und
dem so genanten Schwanenenstieg. Dieser Platz wurde dann noch entsprechend hergerichtet. Ein Unterkunftshäuschen (einschließlich Toiletten) gab dem Vereins- und Schulsport breitere Möglichkeiten des geregelten Sports auf dem Waldlustsportplatz. Hier zeigt sich, dass die damaligen Stadtväter den Wert dieser Sportstätte erkannt hatten.

Team Sportunion

Der erste Zusammenschluss / Die Hagener Sportunion von 1910

Nach Aussagen des Mitbegründers der Hagener Sportunion, Willi Voß, wurde auf dem Plateau- so hieß der Waldlustplatz in Wehringhausen damals- zum ersten Mal Fußball gespielt. Man nahm von Wehringhausen aus die Tore und Torstangen mit,
baute sie auf dem Sportplatz auf und nahm sie später wieder mit nach Hause. Außer Fußball wurde damals auch Schlagund
Faustball gespielt. Es gab nur wenige organisierte Vereine, die meisten waren sogenannte „wilde Mannschaften“. Im ersten Weltkrieg 1914/18 mussten die eingezogenen Soldaten durch junge Spieler ersetzt werden. Viele Sportler kamen aus dem Kriege nicht mehr zurück.
Infolge Platzmangels in Wehringhausen musste auf verschiedenen Plätzen gespielt werden. Die Unioner Fußballer traten mit
blauem Trikot und weißer Schärpe an. Um 1920 schlossen sich die Sportunioner mit der Wehringhauser Turnerschaft zu einem
neuen Verein VfL von 1863 zusammen. Das Vereinslokal war bei Brinker, Pelmke-/Ecke Lange Strasse. Der sportliche Höhepunkt und in der damaligen Zeit nicht selbstverständlich, war ein Spiel gegen Hengelo (Holland). Dieses verloren die Wehringhauser 1 : 0. Schiedsrichter war Dr. Fritz Sälter, der spätere Vorsitzende von Hagen 05. Die Jugend des Vereins nahm damals schon an den
Kinkelspielen in Hagen teil. Nach dem „2. Weltkrieg“ lange Zeit wurden sie als (Bamberg-Neuhaus-Pokal) ausgetragen“.
Im Jahre 1922 kam es wieder zu einer Trennung zwischen Turnerschaft und Sportverbänden. Die Fußballer hatten Mitte der 20er Jahre den Aufstieg in die A Klasse erreicht. Ein interessantes Erlebnis gab es bei einem Spiel um die Bezirksmeisterschaft. 5 Minuten vor Schluss beim Stande von 1 : 0 für die Sportunion gegen Jahn Werdohl gab es eine Panne: Dem Ball ging die Luft aus. Ein Hagener Schlachtenbummler half mit Pumpe und Flickzeug seines Fahrrades aus, so dass weiter gespielt werden konnte. Es blieb beim 1 : 0. Das eingefügte Bild (oben)  aus dem Jahr 1923 zeigt wohl die Mannschaft, die auf der Waldlust gespielt hat.

Westfälische Handball Gebietsmeisterschaften

In Wehringhausen spielten mittlerweile so viele Mannschaften, dass neben der Waldlust der Reichsbahnplatz, ein Platz auf dem Kuhlerkamp und sogar einer von Deutsche-Eiche-Kückelhausen im heutigen Bereich von Nord-West errichtet wurden. 1922 kam es wieder zu einer Trennung zwischen der Sportunion und VfL 1863. Anfang der zwanziger Jahre war die Waldlust mit ca. 30 Mannschaften aus dem Junioren und Senioren Bereich, mit den Feldspielen Fussball und Handball trotz der neuen Sportplätze überbelegt.

Schadensmeldung
Anfrage Reichsbanner Schwarz Rot Gold

Die Geburt des Feldhandballspiels

1920 entwickelten die Sportlehrer Karl Schelenz, Max Heiser und Erich König das Feldhandballspiel. Das Spielfeld übernahm man kurzerhand von den Fussballern. Das Tor und den Torwart führte man gegenüber dem vorherigen Handballspiel in mehreren Varianten ein. Da man den Ball nur mit der Hand spielte, wurde ein sogenannter Wurfkreis 11 m vor dem Tor errichtet. Ab da musste der Wurf des Balles auf das Tor abgeschlossen sein. Dieses Spiel kam den Sportlern VfL von 1863, aus der Turnerschaft geboren, mehr entgegen als das Fußballspiel. Aus diesem Grunde wurde vermutlich die Trennung beschlossen. Das Handballspiel verbreitete sich rasant. So war die Waldlust ein beliebter Sportplatz für ein Spiel, das eine ebene Spielfläche benötigte. Wäre zu dieser Zeit der Sportplatz Rehstraße nicht angelegt worden, hätte es wohl ein großes Gedränge auf der Waldlust gegeben. Der Mitte der 20ger Jahre von der Viktoria gebaute Sportplatz auf dem Kuhlerkamp, entzerrte die Sportplatzmisere. So fusionierte die Viktoria mit der Sportunion zum neuen Verein
Viktoria Hagen 10. 1927 wurde der Waldlustsportplatz nach einem Ausbau für den Spiel und Sportbetrieb wieder freigegeben. Der VfL 63 hatte wieder eine Übungsstätte auf heimatlichem Boden.
Der Übungsbetrieb wurde merklich stärker. Vereinskämpfe wurden in der Waldlust jährlich ausgetragen. Fuss- und Handball waren auf dem Areal zuhause. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend waren auch politisch motivierte Sportvereine Nutznießer des  Waldlustsportplatzes. Der oben genannte Sportverein teilte am 29. August 1928 dem Sportamt für Leibesübungen und Jugendpflege mit:

„Am vergangenen Sonntag, dem 26. d. M. machten wir auf dem Sportplatz an der Waldlust die Feststellung, dass das Tor nahe dem Umkleideraum, nicht den allgemeinen Spielregeln entspricht. Die Latte ist vermutlich mitten durchgebrochen  und mittels eines Strickes wieder zusammengebunden worden. Sie hängt nahezu 1/2 m nach unten, so dass die auf dem Platz spielenden Vereine bei einem Serienspiel von vorn herein der Punkte verlustig gehen, auch wenn sie das Spiel gewonnen haben. Wir handeln daher im Interesse sämtlicher am Waldlustplatz beteiligten Vereine, wenn wir sie bitten, eine neue Torlatte anbringen zu lassen“.

Der Schaden wurde bis zum 10.09.1928 behoben. Hier zeigt sich, dass in frühen Jahren des Mannschaftssports schon Regeln bestanden, die noch heute ihre Gültigkeit haben. Die Schutzsportabteilung des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Ortsverein Hagen (Westf.) bekam keine Genehmigung zur Nutzung des Waldlust Sportplatzes, da die Kapazitäten vergeben waren.
Einmal wurde die Einmaligkeit des Waldlust- Spiel- und Sportplatzes herausgestellt. Im weiteren Verlauf schrieb der Verfasser auch über die Zerstörungswut einiger Zeitgenossen.

Beschwerde_an Tiefbauverwaltung

Dieses Schreiben an die Tiefbauverwaltung beschreibt schon damals die Erkenntnis, dass Freud und Leid zur damaligen Zeit schon nahe beieinander lagen.

Das Accu Verwaltungsgebäude

Das Verwaltungsgebäude der Accu von der Strassenseite aus gesehen.

VFL Jugend 1942

Im Kriegsjahr 1942 spielte die VFL-Jugend mit (Vorne links) Gockel, Hippler, Cornelius, Kampmann, Stratmann, (hinten links) Schmidt,
Beißert, Mehlmann, Schmidt, Diederichs, Ruttkamp und Ehrenfried als Hagener Stadtmeister um die Westfalenmeisterschaft.

Jugend Westfalenmeister1943

Jugend- Westfalenmeister 1943 und Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft, (vorn von links) Gockel, Krüger, Cornelius, Ruttkamp, Jucknies, (hinten von links) Tetampel, Böcker, Schlösser, Schlösser, Kiolbassa, Diederichs, Grundmann,  Effey und Stockey.

Der Zweite Weltkrieg

In der Kriegszeit von 1939 bis 1945 kam der Sport zwischen Rauch und Trümmern fast zum erliegen. Im Jahre 1940 fiel der Waldlustsportplatz den Kriegsanforderungen zum Opfer. Die Accumulatorenfabrik in Wehringhausen trug mit der Herstellung von Batterien dazu bei. Um vor möglichen Luftangriffen geschützt zu sein, baute sie auf dem Areal des Sportplatzes Waldlust ein  Verwaltungsgebäude. Ob außer Verwaltung auch Forschung und Entwickelung darin stattfand, ist möglich, aber nicht bewiesen.
Die sportlichen Aktivitäten gingen notgedrungen gewaltig zurück. Die jungen sportgestählten Männer (so wurden sie damals bezeichnet) waren die Ersten, die in den Krieg zogen. Der Jugendsport war auf dem schmal gewordenen Spielfeld aber noch möglich. Reichsjugendspiele fanden statt. Dabei wurden sogar 10000 m Läufe ausgetragen. Der Waldlustsportplatz wurde auch von den Wehringhauser Schulen für den Sportunterricht benutzt. Auf dem schmal gewordenen Waldlustsportplatz fanden aber noch Handballspiele der Jugendmannschaften statt. 1942 spielte die VFL Jugend um die Hagener Stadtmeisterschaft. Als Meister
nahmen sie an der Westfalenmeisterschaft teil. 1943 spielten sie als Spielgemeinschaft mit Eintracht Hagen und wurden Westfalenmeister. Dabei qualifizierten sie sich für die deutsche Meisterschaft. Ein Zeichen, dass diese Spielgemeinschaften staatsbefohlen waren, zeigte ein HJ Emblem auf dem Trikot eines Spielers. Das Kriegsende war nah und endete im Chaos.

Kaufmannsschule

Schüler der Kaufmannsschule, die von 1946-1949 auf dem Waldlustsportplatz im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Accu unterrichtet wurden, bei der Pause.

Wiederaufbau

Lehrer, die neben ihrer Aufgabe Schüler zu unterrichten, sich beim Wiederaufbau ihrer Schule zur Verfügung stellten.

letzte Klasse Kaufmannschule

Der letzte Schuljahrgang, der die Kaufmannsschule auf der Waldlust von 1946 bis zu seiner Prüfung 1950 schon in der neuen Schule,
besuchte. Der Lehrer in der Mitte des Bildes,

Die Nachkriegszeit

Die Schrecken dieses Krieges waren am 08.05.1945 beendet. Auch die Stadt Hagen hatte bei den Bombenangriffen ihr Gesicht verloren. Fabriken, Wohnhäuser Schulen und Verkehrswege hatten dem Kriegsinferno nicht standgehalten. Erstaunlich war, wie in dieser schweren
Nachkriegszeit die Menschen an die Aufgabe herangingen, dieses Land wieder aufzubauen. Jede erdenkliche Möglichkeit wurde genutzt, das Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Das im Kriege von der Accu Hagen auf der Waldlust errichtete Verwaltungsgebäude
wurde nicht mehr benötigt. Die Kaufmannsschule, an der Volme war vollständig zerstört. Unterricht fand nicht mehr statt. Etwa ein Jahr nach Kriegsende, am 01.06.1946, zog die Kaufmannschule in die für den Unterricht geänderten Räume des ehemaligen Verwaltungsgebäudes ein. Der allgemeine Schulgebäudemangel ließ den Unterricht nur im Schichtdienst stattfinden. So war auch dieses Gebäude ganztägig genutzt. Während die Schüler ihr Wissen auf der Waldlust erlangten, stellten die Lehrer sich nebenbei für den
Neubau der Kaufmannsschule an der Volme, z.B. als Maurer zur Verfügung. Bis 1949 mussten die Kaufmannschüler auf der Waldlust die Schulbänke drücken. Einige konnten 1950 schon in dem neuen Gebäude ihre Prüfungen ablegen. Die Leitung dieser Schule oblag in dieser
schwierigen Zeit dem Herrn Dipl.-Hdl. Friedrich Pfingsten, der 1952 in den Ruhestand ging. Das Gebäude auf dem Waldlustsportplatz
hatte aber noch lange nicht ausgedient. Nach dem Weggang der Schüler der Kaufmannsschule, zogen Handwerker in das Gebäude. Die Klassen mussten zu Wohnräumen umgebaut werden. Hier entstand ein Jugend-Wohnheim, das „August-Herrmann-Franke-Haus.“ Die
Aufgabe der Heimeltern übernahm Familie Rautenberg und ein Diakon. War der Aufbau der Städte bis zur Währungsreform 1948 noch in großen Schwierigkeiten wegen des wertlosen Geldes, dass nur zum Einkauf auf Lebensmittelmarken und zur Kompensation etwas taugte, brachte der Umtausch zu 40 DM neuen Schwung in die Wirtschaft. 1949 bestand in den städtischen Gebieten, so auch in Hagen, akuter Mangel an jungen Menschen, die einen Beruf ergreifen konnten und wollten. Im hohen Norden, in landwirtschaftlich geprägten Gebieten waren handwerkliche Lehrstellen dünn gesät. Former-, Dreher- und Klempnerlehrlinge waren gefragt. So verließen die ersten 13 Jungen die häusliche Geborgenheit des Elternhauses in Schleswig- Holstein und in Ostfriesland, die meistens bereits als Flüchtlinge aus dem Osten in diese Gegenden verschlagen wurden, um sich in Hagen als Lehrlinge zu verdingen. Ihnen folgten noch ca. 40 weitere Jünglinge, die
ihrem Beispiel nachkamen. Das Leben in einem Lehrlingsheim ist sicherlich nicht als besonders guter Aufenthaltsort zu betrachten. Besonders in einer Zeit, wie der Nachkriegszeit. Das Essen war notgedrungen nicht üppig. Die Arbeitszeit belief sich auf über fünfzig Stunden. Die Entlohnung war auch sehr karg. So blieben ein Paar Mark Taschengeld, das noch für Zahnpasta und Schulbücher reichen
musste. Einmal bekam man Bekleidungsgeld. Die Heimeltern taten aber alles, um aus den Lehrlingen anständige Kerle zu formen, wie es damals üblich war. Den jungen Leuten wurden auch strenge Regeln abverlangt. Aber im Nachhinein haben sie sichtlich keinem geschadet.
Kreativität war in so einer Zeit auch gefragt. An vielen von Werner Zühlke festgehaltenen Bildern ist ersichtlich, dass die Freizeit sinnvoll genutzt wurde. Musische und sportliche Aktivitäten verschönten den Alltag. Bei der Begrüßung der Lehrlinge wurden sie als manuelle und geistige Elite bezeichnet. Die handwerkliche Elite hat in der Nachkriegszeit diesem Staat mit zu Wohlstand verholfen. Der folgende
Zeitungsbericht in Bild und Wort von Annette Siebert in der Westfälischen Rundschau, zeichnet diese Zeit von Werner Zühlke, einem der ersten Heimbewohner überliefert, auf. Bei späteren Treffen der Ehemaligen, das letzte fand am 22.05.04 in der Waldlust statt, waren noch 25 Teilnehmer zugegen

Treffen der Exschüler WR Bericht
Freisprechungsfeier

Der feierlich gedeckte Tisch zur Freisprechung nach bestandener Gesellenprüfung

Heimeltern Rautenberg

Die Heimeltern Rautenberg

Waldlust Livemusik

Musik liegt in der Luft

Noch heute treffen sich die, welche in Hagen und Umgegend wohnen, wöchentlich in einem Hagener Cafe, um ihre Verbundenheit zu dokumentieren. In den Jahren 1959/60 wurde der Waldlustsportplatz, nachdem auch das alte Verwaltungsgebäude beseitigt war, neu errichtet. Seine alten Maße und die Erneuerung der Spielfläche kamen dem Feldhandball vor allem mehr entgegen. Dieses in Eigenarbeit geschaffene Kleinod am Goldberg, wurde am 14. Mai 1960 im Rahmen eines grossen Festaktes feierlich seiner Bestimmung übergeben. Rund 4000 Wehringhauser Bürger feierten damals die zweite Einweihung der Arena mit einem riesigen Fest. Das damalige Ehrenmitglied Hans Sichelschmidt hatte es auf die Beine gestellt. Angefangen von Gönner Heinz „Marzipan Grothe“ über Stadtrat Kaltenpoth bis hin zu Oberbürgermeister Turck gab sich die gesamte heimische Prominenz ein Stelldichein, beteiligte sich an dem unvergessenen Festzug durch Wehringhausen.
Das folgende Bild, während der Renovierung aufgenommen zeigt eindeutig, dass der Baumwuchs rund um den Waldlust Sportplatz gewaltig zugenommen hat. Der Bismarckturm ist heute vom gleichen Aufnahmeort nicht mehr zu sehen. Für jung und alt war der Waldlustsportplatz immer ein beliebtes Ziel bei Sportfesten. Beliebt waren in den sechziger Jahren die Treffen aller Leichtathleten. Hier z zeigte der oft siegreiche Walter Grabowski sein Können beim beliebten Steinstossen. Zu der Zeit bekannte Zuschauer passten auf, nämlich von links nach rechts: Spannagel, Große-Banne, Häßler, Spieß, Groenewald, Leifels, Walden, Mattheis, Sichelschmidt, Spiegel, Dorau und Dörner. Die Wiedereröffnung der Waldlust 1962 war auch für die Wehringhauser Schulen ein denkwürdiger Tag. Der Turn- und Sportunterricht hatte ein neues Domizil gefunden und ein geregelter Schulsportbetrieb war in frischer Waldluft eine Bereicherung für die Schüler. Schon der steil ansteigende Weg ersparte die Aufwärmphase vor den eigentlichen Übungen.

Platzwart Sichelschmidt

Weitwurf

Walter Grabowski beim Steinstoßen

Feier zur Wiedereinweihung 1960

Der Sport auf der Waldlust lebte in all den Jahren von Menschen, die sich der Sportjugend zur Verfügung stellten. So war Hermann Sichelschmidt 75 Jahre für die Jugend und den Verein unermüdlich tätig! Keine Arbeit war dem ehemaligen Jugendwart, Turner, Leichtathleten, Alterswettkämpfer, Kampfrichter, Organisator, Förderer, 1. Vorsitzenden und Ehrenmitglied zu viel. Auf dem Bild setzt er als ehrenamtlicher Platzwart mit 88 Jahren die Eckfahnen. Oberbürgermeister Rudolf Loskand zeichnete Hermann Sichelschmidt für
seine unvergleichlichen Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Die auf diesem Foto posierenden Personen waren im Hagener Sport auf breiter Front im Einsatz. Die feierliche Wiedereinweihung des Waldlust-Sportplatzes wurde 1960 zu einem wahren Volksfest. Mit dabei waren (v. r.) Heinz „Marzipan Grothe“, Herrmann Stockey, Karl Hoffstadt, Dr. Theodor Bauer, Karl Schäfers, Karl Focke, Willi Spies, Otto Groenewald, Oskar Jentsch und Alfred Schulte. Der Lehrer Willi Spies war in der Spielzeit 1957/58 der Meistertrainer von Westfalia Hagen 1872 e.V. beim Aufstieg der Fussballer in die Landesliga. Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich noch gut an diesen Mann, der nie verhehlen konnte, dass er aus der Turnbewegung stammte. Lächelnd verlieren und bescheiden als Verlierer, oder das Training muss lustbetont sein, vertrat er mit Leidenschaft. Es ist sicher legitim in einer Chronik auch den sportlichen Zeitgeist zu beleuchten. Vor allem waren viele Vereine bemüht, die Sportanlagen selbst, wie hier die Waldlust, für den Sport herzurichten. Auf dem Bild, während der
Wiederherstellung des Waldlustsportplatzes, 1959/60, ist ein Pavillon zu sehen. In diesem mussten die Sportler sich zur damaligen Zeit umziehen. Dieses wäre heute undenkbar. Die Neuerstellung des Waldlustsportplatzes im Jahre 1962, rund sechzig Jahre nach der Ersteröffnung, war besonders für das Feldhandballspiel eine Bereicherung im Raum Wehringhausen. Um die Umkleidemöglichkeiten
zu verbessern, wurde das bis dahin zum Umkleiden benutzte Rondell am heutigen Eingang durch ein neues Gebäude ersetzt. Zwei  Umkleideräume mit Duschräumen, Toilettenräume und Platzwartraum wurden gebaut. In einem rechtwinkelig angebrachten weiteren Raum wurde eine Toilettenanlage für die zu dieser Zeit zahlreichen Zuschauer angelegt.

Sportplatz Waldlust - Wiederaufbau

Besonders die Fusion von VfL und Eintracht Hagen gaben dem Verein einen großen Aufschwung, der sich auch bei den Leichtathleten, den Turnern und Tischtennisspielern wiederspiegelte. Noch waren der Freiluftsport, Fußball und das Feldhandballspiel die zuschauerträchtigsten Sportarten. Mit der Erstellung von Sporthallen eröffneten sich dem aufstrebenden Hallenhandballspiel immer mehr Möglichkeiten sich auszuweiten, Im Jahre 1975 wurde das Feldhandballspiel völlig eingestellt. 1962 hatte der Zusammenschluss von VfL und Eintracht aber nicht nur Vorteile. Ältere Spieler beendeten ihre Karriere und die Abgänge einiger Leistungsträger erschwerten jedoch den Erhalt des absoluten Spitzensports. Unter den bewährten Trainern Hans Schmidt und Walter Effey, der in seiner aktiven Zeit stets ein erfolgreicher Spielertrainer war und immer für einen fachlich geschulten Nachwuchs sorgte, konnten sich die Wehringhauser in den kommenden drei Spielzeiten lediglich im unteren Mittelfeld der Oberliga platzieren. Dem siebten Platz 1962 folgten zwölf Monate später ein zehnter Platz sowie ein magerer neunter Rang 1964/65 mit einem abermals neuformierten Team. Der Tiefpunkt war dann 1966 erreicht. Mit dem Altmeister Westerholt musste man als Vorletzter die höchste Klasse verlassen. Vergebens hatten sich die Wehringhauser gegen den Abstieg gestemmt. Selbst die Torwartlegende Alwin Wiggershaus wurde reaktiviert. Auch er konnte das Schicksal nicht wenden. Eine 11: 16 Niederlage im letzten Punktspiel auf der Waldlust gegen den späteren deutschen Meister Grün-Weiß Dankersen, mit dem legenderen Nationalspieler Herbert Lübking, besiegelte den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit. Aber dieser Abstieg war mit einer ehrenhaften Einstellung der Spieler kein ewiger Abstieg aus der Erstklassigkeit des Feldhandballspiels auf der Waldlust. Unter dem langjährigen Torjäger Heinz Struff, der inzwischen an die Volme zurückgekehrt war, begannen die Wehringhauser 1967 mit dem Neuaufbau in der Verbandsliga. (Bezeichnender Weise trainierten immer Sportler, die sich im Wehringhauser Handball bereits einen Namen gemacht hatten) 1968 gelang der Wiederaufstieg in die  Oberliga.

Südwestfalenmeister 1963 der A-Jugend
(hvl) Trainer Effey, Balkenhohl, Haarmann,
Strehle, Rasel, Wassermann, Rehrmann,
Corell, Domröse, Ruhwedel, Jugendleiter
Weiß (vvl) Schulz Kaminski und Schulte

Bernd Lückel,
die geballte Kraft beim 14 Meter

Die Akteure

Die Akteure
Kaminski, Schneider, Heil, Rasel, Scherf,
Brenken, G.Wilke, R.Wilke Bestvater, Röhle,
Wilhelm, Lobert, Lückel, Haarmann,
Menne und Freese

Vor einer ansehnlichen Kulisse machte diese Mannschaft des VfL Eintracht auf dem tiefen Geläuf des Waldlustsportplatzes sein Meisterstück. Am letzten Spieltag erkämpfte man sich mit einem 11:8 Erfolg gegen TV Witten den Verbandsligatitel und stieg wieder in die
Oberliga auf. „Eine der Sternstunden der Wehringhauser Feldhandballer, in denen der Torhüter Wolfgang Kaminski mit einer länderspielreifen Leistung sein Können unter Beweis stellen konnte.“ So war es in der Westfälischen Rundschau zu lesen. Die hervorragende Jugendarbeit des VfL Eintracht ist mit dem Waldlustsportplatz und Walter Effey eng verbunden. Besonders für Jugendspiele war die Waldlust geeignet. 1963 wurde die A- Jugend Südwestfalenmeister im Hallen- und Feldhandball. Zum
Feldhandball ging es noch in die sauerstoffhaltige Luft der Waldlust. Einige Spieler, die auf dem Bild dieser Jugendmannschaft zu sehen sind, stiegen mit der Seniorenmannschaft auf in die Oberliga. Mit dem Aufstieg 1969 in die Regionalliga war die Waldlust für Senioren
zu klein geworden. Das Ischeland-Stadion mit der großen Zuschauer-Kapazität und dem Rasen, stand jetzt zur Verfügung.  Die Handballaera ging somit auf der Waldlust dem Ende entgegen. Lange Jahre galt die Waldslust als exzellentes Trainingsfeld für die Jugendarbeit des VfL Eintracht. Junge Talente wurden hier geformt und zählten später zu den Leistungsträgern der Senioren. Kleinfeld
Turniere der Vereine VfL Eintracht und Tus 03 wurden aber weiterhin ausgetragen. Mit dem Abgesang des Feldhandballspiels
zum Hallenhandball wurde es 1975 um die Waldlust merklich ruhiger.

Ehemaligentreffen

Bild oben: Die ehemaligen Lehrlinge des August-Herrmann- Franke- Hauses, beim 3. Treffen am 22.05.04 in der Waldlust.

Aber eine Gruppe Sportler, der FC Waldlust, nutzt bis in die heutige Zeit über 40 Jahre, dieses Gelände zum Freizeitspass. Jede Woche
trifft man sich in der gesunden Luft des Waldlustsportplatzes zum Fussballspiel. Es gibt keine Gegner. Die Mitglieder wählen ihre Mannschaften aus den eigenen Reihen, dann wird ein gepflegtes Spiel ausgetragen. Vor allem handelt es sich bei diesen Aktiven um vorbildliche Sportsleute. Ordnung ist ihre besondere Devise. Nie hat ein Platzwart etwas beanstanden müssen. Man sieht und hört
sie nur beim Spiel, sonst sind sie unsichtbar. Die Alten der ersten Stunde, die heute noch leben, treffen sich einmal im Monat zum Gedankenaustausch. Fürwahr eine vorbildliche Gemeinschaft. Man nutzte den Platz jetzt zudem für eine geraume Zeit, dort Hockey zu spielen. Aber der Aschenplatz kam diesem Spiel nicht sonderlich entgegen. Der Gedanke, einen Kunstrasenplatz zu erstellen, scheiterte jedoch an den finanziellen Möglichkeiten der Stadt Hagen. Ein Rugbyverein hatte danach das Areal, wie es in den Jahren der Entstehung
bezeichnet wurde, als Spielplatz ausgesucht. Dieser Verein brachte die Waldlust, die mittlerweile in Lethargie gefallen war, wieder auf Vordermann. Die Spielfläche wurde in Eigenarbeit überholt. Das von den Hängen des ehemaligen Steinbruchs herabströmende
Regenwasser war ein Problem. Bei Regenwetter stand der Platz schnell unter Wasser. Man legte eine Drainage an, die das herabströmende Wasser in den Wehringhauser Bach leitete. Da die Aktiven auch im Winter das Rugby Training durchführen wollten, stellte man zwei
Telefonmasten auf, bestückte sie mit je zwei zur damaligen Zeit noch recht schlecht entwickelten Strahlern. Diese sogenannte Barbeleuchtung sollte noch bis ins 21te Jahrhundert halten, obwohl auch die Rugbyspieler sich vor 1990 ein neues Gelände suchten und die Waldlust verließen. Mit dem Weggang des Rugbyvereins, der auf der Waldlust Training und Spielbetrieb durchgeführt hatte, war eine große Ruhe auf der Waldlust eingekehrt.

Waldlust Lust

Die fleissigen Hände am Waffelstand v. l. Birgitt Filmar, Anneliese Kürsch, Angela Sichelschmidt, Susanne Kuhlmann

Der FC Waldlust, der schon eine Tradition auf dem schön gelegenen Spielplatz hat, blieb dem Areal treu. Tus 03 und VfL Eintracht Hagen führten weiterhin ihre  traditionellen Handballturniere durch. So steht in dem Jubiläumsbuch 1903-2003, hundert Jahre DJK TuS 03 Hagen e.V. geschrieben: Bernhard-Stankewitz-Turnier Der zwischen Bismarck- und Eugen-Richter-Turm mitten im Wald gelegene
Waldlustsportplatz hat Tradition. Schon kurz nach dem 2. Weltkrieg blühte der Feldhandballsport in unserem Verein wieder auf. So manche Matches wurden hier auf dem Großfeld ausgetragen. Eine gute Adresse also, um hier für Jugendmannschaften ein Kleinfeldturnier auszurichten. 1978 fand hier das erste Jugend- Kleinfeldturnier statt. Zahlreiche Mannschaften stellten sich zum sportlichen Vergleich. Den Abschluss bildete ein Fussballspiel der Pfarrgemeinde St. Michael gegen TuS 03. Das Ergebnis ist nicht mehr bekannt. Dieses Turnier, das 1978 zu Ehren unseres Vorbildes „Vater Bernhard“ in Bernhard- Stankewitz-Turnier umbenannt wurde,
hat in 25 Jahren, (und darüber hinaus) über den Kreis Hagen hinaus viele Freunde gefunden. Zwischen 40 bis 60 Jugendmannschaften
nehmen jährlich in allen Altersklassen teil. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der Sonntagnachmittag. Von der Pampersmannschaft (ca. 4 Jahre) bis zur D-Jugend (10 Jahre) zieht der jüngste Nachwuchs die grosse Zahl der Zuschauer in seinen Bann. Mit welchem Einsatz diese Kids auf dem Platz und die Eltern und Grosseltern am Spielfeldrand dabei sind, ist hier nicht zu beschreiben.  Die speziell für diese Spiele eingesetzten Schiedsrichter drücken immer beide Augen zu. Gerade hier auf der heimischen Waldlust hat manche unserer Jugendmannschaften ihre ersten Turniererfolge erzielen können. Immer wieder wird auch ein Rahmenprogramm angeboten.
Für die Kleinen findet bereits freitags ein Wettkampf im Laufen, Springen und Werfen statt. Mannschaften von DJK TuS03 und Pfarrgemeinde St. Michael massen ihre Kräfte im Fuss- und im Hockyspiel. Zahlreiche Oldies, vom Kleingartenverein, freiwilliger Feuerwehr, Bundesbahn und Pfarrgemeinde hatten ihren Spass beim Fussballturnier.

MahnmalDie Traditionsmannschaften von VFL Eintracht, TV Delstern, SSV Hagen, TuS 03 und andere Vereine haben dieses Programm mit Grossfeld-Handballspielen bereichert. In den letzten Jahren sind es aber die Juxturniere (mit besonderen Handballregeln, z.B. wer ein
Tor wirft, wird ausgewechselt; von Frauen erzielte Tore zählen doppelt.) Bei all den sportlichen Aktivitäten werden alle Spieler und Besucher auch vorzüglich kulinarisch versorgt. Ob Nackensteak und Pfefferpfanne, ob Waffeln oder Kuchen, ein Besuch beim Bernhard Stankewitz-Turnier lohnt sich immer. Dieser fast im Original wiedergegebene Bericht aus dem Festbuch TuS 03 von 1903- 2003 zeigt,
dass der Waldlustsportplatz für den Wehringhauser Sport einen grossen Wert besitzt. VfL Eintracht Hagen von 1863 e.V. hatte nach der Neuerstellung der Waldlust im Jahr 1962 neben dem Feldhandballspiel alljährlich seine Turniertage durchgeführt. Mitte der siebziger Jahre, hatten sich nach dem Abschied vom Feldhandball hin zum Hallenhandball, auch die Spielstätten geändert. Der Waldlustsportplatz hatte somit für den Wehringhauser Handball keine grosse Bedeutung mehr. Die Halle Mittelstadt in der Nähe des AKH wurde für Senioren und Junioren der neue Spielort. Die Senioren nutzen in den höheren Spielklassen, auch wegen der Zuschauerzahlen die Ischelandhalle. Vierzig Jahre nach 1962 wurden auch die Handballtage in die Halle Mittelstadt verlegt. Das Ehrenmahl des VfL Eintracht Hagen 1863, am Eingang des Waldlustsportplatzes, hatte nach dem Weggang der Sportler einen neuen würdigen Standort verdient.
Mit dem Wechsel des Feldhandballs zum Hallenhandball drohte der ehrwürdige historische Waldlustsportplatz in einen Dornröschenschlaf zu versinken. Mit den Treuen des FC Waldlust und ein bis zwei Wochenenden, an denen traditionelle
Turniertage der Traditionsvereine stattfanden, war die Nutzung doch recht karg  geworden.

1993 – Die Waldlust wurde wieder für das Fußballspiel endeckt

1993 wurde der Sportverein Roter Stern Wehringhausen e.V. gegründet. Hobbykicker und Basketballer hatten sich entschlossen dem DFB und dem DBB beizutreten und an deren Verbandsspielen teilzunehmen Sie stellten bei der Stadt Hagen den Antrag, den historischen
und naturnahen Spiel- und Sportplatz nutzen zu dürfen. Die Stadt Hagen gab diesem Wunsche statt. Die geringe Nutzung der Anlage hatte vor allem dem Spielfeld nicht gut getan. Weite Teile waren von hohem Unkraut bewachsen. Baumstammteile waren darin verteilt. Der
Drainage fehlten die Gitterroste und sie war unfallträchtig. Das Torgebälk war von Grünspan und Moos überzogen. Die Tornetze hingen in Fetzen herab. Alle diese Unzulänglichkeiten beseitigten die Mitglieder des Roten Stern Wehringhausen. Das Gelände nahm wieder Gestalt
an und wurde vom Fussballkreis Hagen/Ennepe/ Ruhr für den Spielbetrieb freigegeben. Nachdem der Sportplatz an der Rehstrasse weggefallen war, meldeten die Fussballer von Eisenbahn Hagen eine Mannschaft an und spielten eine Saison auf der Waldlust. Da im Winter keine  ausreichenden Trainingsmöglichkeiten in den Abendstunden vorhanden waren, lösten sie sich wieder auf. Das von den
Rugbysportlern hinterlassene, an zwei Telefonmasten angebrachte Licht, war nicht mehr als ein Notbehelf. Mit Kickers Hagen entstand ein neuer Fussballverein in Wehringhausen und nahm den Spielbetrieb auf. In der Saison 2003/04  spielte der Türk SV Haspe mit seiner
2. Mannschaft als Gast auf der Waldlust. Da in der Hasper Bezirkssportanlage ein Verein den Spielbetrieb einstellte, übernahmen sie deren Benutzungseinheiten. Der Rote Stern Wehringhausen hatte im Geiste der Integration Spieler aus  dem polnischen Kulturraum aufgenommen. Bald bestand die Fussballabteilung fast nur aus Spielern polnischer Herkunft. Die spielerische Leistung reichte zum Aufstieg in die Kreisliga B. Jetzt wurde der Wunsch der integrierten Spieler laut, eine Namensänderung in „FC Polonia Hagen“ vorzunehmen. Dem wollte der Rote Stern Wehringhausen nicht stattgeben. Scheinbar war schon im Vorfeld ein Verein „FC Polonia Hagen“ beim DFB beantragt. In der Sommerpause 2002 meldeten sich alle Spieler ab. Schon in der Spielzeit 2002/03 spielte dieser
neue Verein auf der Waldlust, wieder in der C. Klasse.

Sportplatz Waldlust 1993

Im Roten Stern Wehringhausen war guter Rat teuer. Wie sollte man in der B. Klasse ohne entsprechenden Kader spielen. Im KulturzentrumPelmke bestand eine Hobbymannschaft. Der Präsident des Roten Stern Wehringhausen Ulrich Schäfer konnte diese Spieler für seinen Verein gewinnen. Der Leistungsstand dieser Hobbyfussballer entsprach zwar nicht den Ansprüchen einer B. Klasse, aber ein Antrag an den Verband, die Klassen für RSW und Polonia zu tauschen, wurde nicht stattgegeben. Es zog ein neuer Geist ein. Spass am Fussballspiel war die oberste Devise. Dieses erste Jahr danach, war ein Lehrjahr für die Führung des Vereins. Das Rotationsprinzip stand im Vordergrund, da viele Spieler zu den Spielzeiten beruflich bedingt und manchmal aus familiären Gründen nicht erscheinen konnten. Verständlicher Weise diente diese Tatsache auch nicht dem Erfolg. Der Abstieg in die C. Klasse wurde mit Würde vollzogen.
Die Sportstätte Waldlust war schon seit einiger Zeit an den Roten Stern Wehringhausen in Schlüsselgewalt vergeben worden. Mittlerweile war dieses sportliche, traditionsreiche Kleinod den Mitgliedern ans Herz gewachsen. Ein neuer Platzwart, kurz Ali genannt, wurde gefunden. Wegen seines Engagements wurde mit ihm ein guter Griff getan. Er und handwerklich geschulte Mitglieder nahmen sich vor, diesen arbeitsintensiven Sportplatz und seine Gebäude zu einem Schmuckstück zu machen. Ein besonders wichtiger Teil der Anlage ist die Drainage. Viel Wasser und Laub kommt von den steilen Hängen des umschliessenden Waldes herab. Darum wurde als Erstes diese Drainage in einen sicheren Zustand gebracht. Der Platzwart brachte mit rund 40 Tonnen Rotgrand die Spielfläche in einen vorbildlichen Zustand. Im Umkleidebereich wurden bisher schon die Renovierungsarbeiten begonnen. Diese aufwendigen Arbeiten verlangen noch viel Engagement. Die Stadt Hagen liess die Heizungen und die Warmwassergewinnung für die Brausen erneuern. Der rechtwinkelig zu den Umkleidegebäude gelegene Anbau wird zu einem Clubraum ausgebaut. Die Fertigstellung steht kurz bevor. Ein neuer Zaun mit  Toreingang, dazu ein Ballfangzaun hinter den Toren, wurden im Winter von der Stadt erstellt. In einigen Tagen ist eine im März 1999 beantragte Trainingslicht-anlage fertig gestellt. Mit einer Bilderserie der seit 2003 geleisteten Arbeiten auf dem historischen Sportplatz Waldlust, endet die Aufarbeitung:
„Über hundert Jahre Waldlustsportplatz“

Im Anhang werden einige Aufnahmen die
Erneuerung des Waldlust- Spiel- und
Sportplatzes anschaulich machen.